|
1. Tag, 29. Juli, München – Lenggries, 76
km
Traditionell beginnt dieses Unterfangen an der
Mariensäule auf dem Münchner Marienplatz. Tiefhängende Wolken verhießen
nach wochenlanger Hitze nichts Gutes, aber noch war es trocken. An Giesing
und Harlaching vorbei geht es auf dem Isarhochufer bis zur Großhesseloher
Brücke, die überquert wird. Pullach und Baierbrunn, dann geht es hinab zum
Kloster Schäftlarn. Hier fing es nun kräftig zu regnen an und hörte bis
zum Mittagessen in Ascholding auch nicht mehr auf. Danach besserte sich
das Wetter aber, und es konnte trocken weitergehen über Tattenkofen,
Geretsried und Königsdorf, vorbei an der Jugendsiedlung Hochland, nach Bad
Tölz, wo noch ein Eis wartete. Auf der orographisch linken Isarseite
ging es über Arzbach und Schlegldorf – die geplante Route über Wackersberg
war nicht zu finden – vollends nach Lenggries. Abendessen und Übernachtung
im Gasthof „Altwirt“ ließen die Mühen des Tages rasch vergessen.
Bild rechts: Mittenwald
|
 |
|
2. Tag, 30. Juli, Lenggries – Innsbruck, 115
km
Auf einen nassen und kühlen Tag folgte Prachtwetter!
Zunächst geht es über Anger und Fleck, zuletzt durch einen eigenen
Fahrrad- und Fußgängertunnel hinauf zum Sylvensteinspeicher mit seinen
schönen Ausblicken in das Vorkarwendel, dann über Fall und Vorderriß,
schließlich einer Mautstraße entlang in einigem Auf und Ab nach Wallgau.
In Krün angekommen, führt ein guter Radweg nach Mittenwald und weiter,
hart am Fuße der Großen Ahrnspitze, nach Scharnitz. Hier war nun
Mittagspause. Nach dieser Stärkung erwarteten uns Giessenbach und die
Leutasch, die wir „Durch den Boden“ erreichten. Über Weidach und
Kirchplatzl, immer Gehrenspitze und Hohe Munde im Blickfeld, geht es recht
steil hinauf zur Buchenhöhe. Hier beginnen die 600 Höhenmeter Abfahrt nach
Telfs. Zuverlässige Bremsen sind hier unerlässlich! Auch ein wenig
Schwindelfreiheit ist angenehm; die Straße führt recht steil und mit
prachtvollen Ausblicken in die Sellrainer Bergwelt in das Inntal. Von
Telfs aus noch zum Inn, in Oberhofen noch ein Kaffee, dann rollt man
gemütlich zur Tiroler Landeshauptstadt. Allerdings führt lange vor
Innsbruck der Inntalradweg bis in die Stadt nur noch direkt an der
Autobahn entlang – nicht sehr romantisch!Um 19.00 Uhr angekommen,
erwartete uns bereits der Gasthof „Innbrücke“. Bei einem gemütlichen
Abendessen in der Altstadt konnten dann noch Kräfte für den morgigen
Anstieg Richtung Brenner gesammelt werden.
 |
| Bild oben: Blick auf den Sylvensteinspeicher |
 |
3. Tag, 31. Juli, Innsbruck – Gries am
Brenner, 45 km
Heute stand die Königsetappe bevor. Wenngleich
wir auch noch nicht ganz hinauf zum Brenner gefahren sind, so hatten
wir in Gries am Brenner doch den Hauptteil der Auffahrt hinter uns.
Am Vormittag stand allerdings erst noch die Besichtigung der
Altstadt an: Hofkirche, Dom und Stadtturm sowie natürlich das
„Goldene Dachl“. Erst mittags begann die Fahrt Richtung Brenner –
bei starker Wärme und enormer Schwüle ein schweißtreibendes
Unterfangen. Nach Amrass und Ampass beginnt die Auffahrt. Bis kurz
vor Patsch sind es ca. 600 Höhenmeter, die ohne nennenswerte
Verflachungen gefahren werden müssen. Da sind Pausen willkommen und
auch lohnend, hat man doch immer wieder wunderschöne Ausblicke auf
Innsbruck und die Nordkette. Dicke Quellwolken ließen nichts Gutes
ahnen, doch blieb es trocken und die Luft wurde sogar klarer. So
konnten wir bei Patsch sehr gut das Zuckerhütl im Stubaier Hauptkamm
ausmachen. Hinter Patsch folgt man immer einer alten Römerstraße in
welligem Gelände, was noch etliche zusätzliche Höhenmeter bringt,
bis man in Matrei auf die Bundesstraße trifft. Hier war
Kaffeetrinken angesagt. Unterquert man den Bahnhof, so führt auf der
Ostseite der Bahngleise eine sehr ruhige Straße einige Kilometer
eben dahin, vor Steinach ist es noch ein guter Schotterweg entlang
der Sill. Zum Schluß ging es an der Bundesstraße über Wolf und
Stafflach nach Gries am Brenner. Zum Übernachten fand sich dort die
Pension „Alpina“. Gegen Abend hatte es vollkommen
zugezogen und es begann auch bald fest zu regnen,
was die ganze Nacht so bleiben sollte.
|
| Bild oben: Blick nach
Südwesten auf die Nordkette - Bei der Auffahrt von Innsbruck nach Matrei auf ca. 800 bis 900 Meter Seehöhe |
|
 |
4. Tag, 1. August, Gries am Brenner – Brixen,
57 km
Strömender Regen verhinderte erst einmal den
Aufbruch. Um zehn Uhr musste das Zimmer aber geräumt werden, und
siehe da: Es hörte zum Regnen auf! Die letzte kräftige Steigung
konnten wir im Trockenen radeln. Auf dem Brenner riß es vollends auf
und die Sonne kam heraus. So mag es der Italienreisende! Es ist
geschafft, der Alpenhauptkamm ist „bezwungen“.
 |
Das haben wir auch
gleich mit einem Espresso noch im seltsamen Ort Brenner gefeiert! Ab
jetzt rollen die Räder talwärts. Die Fahrt bis Sterzing ist kaum der
Rede wert. Dort kam bei kräftigem Sonnenschein und Touristenrummel
in der Altstadt schon fast mediterranes Flair auf. Kaum hat man
Sterzing verlassen, beginnt der bestens ausgeschilderte Radweg, der
mit kurzen Unterbrechungen den Radfahrer im ganzen Eisacktal, ab
Bozen im Etschtal, bis zur Provinzgrenze zum Veneto nicht mehr
verlässt. Bis Franzensfeste
heißt es aber durchaus noch schwitzen, zwölf- bis
fünfzehnprozentige Gegensteigungen stellen sich in den Weg. Von
Mittenwald nach Franzensfeste ist der Radweg in einen
murengefährdeten Hang gebaut, was Konsequenzen hat: Mindestens
fünf oder sechs Muren haben den neuen Weg schon wieder
verschüttet, und wir mussten sehr viel schieben. Zudem machen
mehrere siebzehn(!)-prozentige Gefälle und Gegensteigungen diesen
Abschnitt sehr anstrengend. Wer das vermeiden will, dem bleibt von
Mittenwald nach Franzensfeste nur die Staatsstraße. In
Franzensfeste haben wir ein Gewitter abgewartet, bis es dann
schlussendlich nach Brixen
hinab ging – der Radweg ist zum Teil noch in Bau – wo wir wegen der
vorgerückten Stunde auch übernachteten: In der Pension „Kranebitt“
etwas erhöht über der Stadt. Ein kleiner Abendbummel in der Altstadt
rundete den „Alpenüberquerungstag“ ab |
|
|
 |
Bild links:
Der vermurte Abschnitt des
Eisacktalradweges zwischen Mittenwald und Franzensfeste; im Bild
Christopher Hak
5. Tag, 2. August, Brixen – Bozen, 46
km
Bevor es richtig losging, besichtigten wir noch Dom und
Kreuzgang. Dann fuhren wir bei bestem Wetter weiter. Der Radweg war in
Brixen nicht gleich wiederzufinden, aber außerhalb der Stadt war die
Wegführung wieder klar und so ging es flott nach Klausen und weiter nach
Waidbruck. Hier hört der Radweg auf, so eng ist es in der
„Kuntersschlucht“! Auf halbem Wege lud der Gasthof „Alte Post“ in Atzwang
zum Mittagessen. Noch ein paar Kilometer Staatsstraße, dann beginnt in
Blumau wieder der Radweg, der bestens präpariert und ausgeschildert nach
Bozen führt. Ein Hotel war auch bald gefunden, der Gasthof „Feichter“, und
da es noch früher Nachmittag war, blieb ausgiebig Zeit für Stadtbummel und
Abendessen.
|
6. Tag, 3. August, Bozen – Trient, 81
km
In der Nacht hatte es stark zu regnen begonnen und es
war frisch geworden. Kein Zweifel, das schlechte Wetter im Norden hatte
uns eingeholt. Bei Regen verließen wir Bozen in Richtung Überetsch, das
wir erst bei Auer im Etschtal verließen. Leider ließ uns das Wetter nicht
viel Muße, die sehr reizvolle Landschaft zu genießen, obwohl auch hier ein
guter Radweg eingerichtet ist. Der Kalterer See wurde fast eins mit den
Regenwolken, und so erreichten wir Auer und damit den Etschtalradweg. Er
führt eben nach Salurn, immer neben der Etsch entlang. In Salurn war
Mittagspause. Der Regen war noch stärker geworden. Aber es kam ganz anders
als befürchtet: Rasch auflebender Nordföhn beendete den Regen, schon kurz
hinter Salurn rissen die Wolken auf und bei heiterem, allerdings kühlem
Wetter erreichten wir Trient, nachdem noch einige Baustellen zu umfahren
waren. Das Hotel „Aquila d’oro“ liegt direkt am
Domplatz, und nach so einem regenreichen Tag war es sehr schön, Trient bei
wolkenlosem Himmel zu besichtigen, wozu noch viel Zeit blieb, da wir
unterwegs wetterbedingt fast keine Pausen gemacht hatten. Nur noch eine
Etappe!
7. Tag, 4. August, Trient – Verona, 110
km
Ab Trient folgten wir noch einmal dem Etschtalradweg,
der aber an der Provinzgrenze vom Trentino zum Veneto aufhört. Dafür gibt
es dann eine nicht zu stark befahrene Straße, die an Ala und Avio vorbei
nach Rivalta führt. Dort gab es Mittagessen. Kurz hinter Rivalta
überquerten wir die Etsch, um nun der SS 12 bis Domegliara zu folgen.
Eigentlich wollten wir bei Ceriano eine kleine Bergstraße hinauffahren,
diese stellte sich aber als sehr steile Schotterpiste heraus, so dass wir
von unserem Plan absahen. Dafür konnten wir noch den eindrucksvollen
Durchbruch der Etsch in der Veroneser Klause bewundern. Nun sind die Alpen
zu Ende! In der Hoffnung, etwas dem Verkehr zu entkommen und schöne
Ausblicke auf die Ebene, evtl. sogar auf Verona zu haben, fuhren wir noch
hinauf nach Sant’Ambrogio di Valpolicella. Der Verkehr wurde kaum weniger,
allerdings hatten wir hübsche Ausblicke auf die Berge im Norden. Die
abschließende Fahrt nach Verona führte dann aber über ruhige Nebenstraßen.
San Pietro in Cariano, Negarine und Corrubbio folgten aufeinander, bevor
wir wieder die Ebene erreichten. Nun ging es noch über Pescantina, Settimo
und Chievo endgültig nach Verona hinein, wo wir um 19.00 Uhr auf der
Piazza Brà eintrafen. Ganz in der Nähe war auch das Hotel „Trieste“, in
dem wir bis Sonntag blieben.
5./6. August 2006:
Diese beiden Tage standen uns noch zur Besichtigung der
Stadt zur Verfügung. Das Wetter war wie schon während der letzten
Teilstecke sehr freundlich: Durch den Nordföhn hatten wir klare Sicht auf
die Berge, und das Thermometer schaffte es jedes Mal auf fast 30°
Celsius!
Am Sonntag Nachmittag hieß es dann
Abschiednehmen: Mit Regionalzügen fuhren wir von Verona zum
Brenner (Übrigens: Am Grenzbahnhof Brenner, werden bei einer Fahrt
von Österreich nach Italien auf der Brennerbahn die Lokomotiven ausgewechselt.), vom Brenner nach
Innsbruck und von Innsbruck über Garmisch-Partenkirchen nach München. So
konnten wir unkompliziert unsere Fahrräder selbst verladen und
mitnehmen.
zum Anfang
|